Was man wissen sollte, bevor man nach Japan reist

Shops in Akihabara

Bevor man in den nächsten Flieger nach Japan hüpft, gibt es ein paar Dinge, die man wissen sollte. Die wichtigste Erkenntnis sollte natürlich sein, dass Japaner ganz normale Menschen sind und Japan ein ganz normaler Ort.
Hier wimmelt es weder überall von Geishas, noch von Animefiguren. Das Bild, das die Medien oft zeigen, erscheint mir ziemlich verzerrt, denn so verrückt, chaotisch und fremd, wie viele erwarten, ist Japan gar nicht.
Trotzdem gibt es ein paar Punkte, auf die man zumindest vorbereitet sein sollte.

Sprache

Man muss kaum sprechen
Zuerst eine gute Nachricht. In Japan muss man kaum sprechen. Im Restaurant, in der Bahn, beim Einkaufen, ein einfaches Nicken genügt oft schon. Viele Japaner machen es genau so. Natürlich ist dies auch ein Nachteil, denn wer gerne mit Einheimischen spricht, der braucht hier viel Glück und etwas Mut.

Englisch, Deutsch oder Japanisch?
Wer den Italienurlaub mit Deutsch überstanden hat, dem steht hier ein kleiner Schock bevor, denn selbst mit Englisch kommt man in Japan oft nicht durch. Im öffentlichen Verkehr ist glücklicherweise alles auch in Englisch ausgeschildert, so dass man zumindest von Ort zu Ort kommt.
Braucht man jedoch Hilfe oder hat eine Frage, so empfiehlt es sich, ein paar kurze Sätze auf Japanisch einzustudieren. Die meisten Japaner versuchen, darauf in Englisch zu antworten.

Essen

Mit Stäbchen essen sollte man können
Es gibt den Mythos, dass man in jedem japanischen Restaurant Gabel und Löffel erhalten kann. Dies setzt natürlich voraus, dass man auf japanisch darum bitten kann. Auch sind viele japanische Gerichte für europäisches Besteck nicht besonders geeignet. Standard in jedem Restaurant sind daher Stäbchen.
Wer unsicher ist, wie man etwas isst, lässt sich am Besten Zeit, um andere Gäste zu beobachten, und kopiert diese dann einfach.

Restaurants an jeder Ecke
Verhungern muss man in Japan nicht. Egal wo man ist, das nächste Restaurant oder der nächste Essensstand ist nicht weit. Die Preise sind meist sehr human bis günstig, gemessen an deutschen Standards, und die Portionen häufig überraschend groß.

Vegetarier haben’s schwer
Als strenger Vegetarier wird es nicht leicht, unterwegs zu essen. Die meisten Restaurants bieten zumindest oberflächlich fleisch- und fischfreie Gerichte an. Hier liegt das Problem eher in der Suppenbrühe (Dashi), die standardmäßig mit Thunfisch zubereitet wird.
Trotzdem ist es nicht unmöglich, sich durchzuschlagen. Sehr einfach wird es sogar, wenn man im Supermarkt einkauft und selbst kocht.

Roher Fisch und lebendiger Oktopus
Viele Schauergeschichten über rohes und lebendiges Essen in Japan sind wahr. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, der findet vielleicht ein paar seltene Gaumenfreuden. Wem das zu exotisch ist, der kann jedoch ohne Probleme sehr „normales“ Essen bekommen, das vom Angebot her die Kuriositäten überwiegt.

Man kann auch europäisch essen … aber
Europäisches Essen wie Spaghetti, Pizza oder Brot sind gelinde gesagt teuer. Hier bezahlt man für Import und Image. Und oft ist die Zubereitung trotzdem eher japanisch, so dass es eben nicht original schmeckt. Besonders ihr Brot mögen die Japaner extrem weich, feucht und in der Mikrowelle aufgewärmt.
Ich habe hier schon ein paar Gerichte gegessen, die sehr nahe am Original waren, aber am Brot könnte man verzweifeln.
Besser, man stürzt sich in die fremde Kultur und genießt das original japanische Essen.

Geld

Die Währung
Die japanische Währung sind Yen. 100 Yen entsprechen je nach Kurs etwa 70-80 Eurocent. Es gibt Münzen in 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Yen und Scheine für 1000, 2000, 5000 und 10.000 Yen.
Will man nicht in Kleingeld ertrinken, so lohnt es sich, die Münzen zu lernen, so dass man schnell und einfach überall damit bezahlen kann.

Umsatzsteuer
Die japanische Umsatzsteuer beträgt im Moment 8 %. Oft sind diese 8 % jedoch nicht angegeben, der Preis inklusive Steuer wird in Klammern darunter geschrieben oder man findet den Vermerk +税 (+Steuer).

Bargeld
Japan ist ein Bargeldland. Man sollte stets zumindest 10.000 Yen bei sich tragen, um auf Eventualitäten reagieren zu können, Essen oder Fahrkarten zu kaufen.
Hat man eine Kreditkarte, so kann man in jedem der zahlreichen 7-Eleven-Läden Geld abheben. Das Menü des Geldautomaten gibt es sogar in deutscher Sprache.

Kultur

In der Bahn
Die japanische Bahn hat ihre eigenen Regeln. Regel Nummer 1 besagt, dass man sich leise verhält und nicht spricht. Wer sitzt, der macht sich schmal, stellt die Beine nebeneinander auf den Boden und packt sein Gepäck entweder auf den Schoß oder ins Gepäckfach. Wer steht, der achtet darauf, nicht im Weg zu sein und niemanden anzurempeln. Gepäck wird ebenfalls im Gepäckfach verstaut.
Männer halten sich entweder mit beiden Händen an einem Griff fest oder halten ihr Buch oder Smartphone in der anderen Hand. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass Frauen in sehr vollgepackten Zügen begrapscht werden, was leider keine Seltenheit ist.
Es gibt Zugabteile nur für Frauen, erkennbar an den pinken Markierungen am Bahnsteig und spezielle Plätze im Abteil für Menschen mit Herzschrittmacher (sogenannte courtesy seats). Hier sollte jeder sein Smartphone ausschalten.

Tipp: Wer mit der U-Bahn zu weit gefahren ist, der kann innerhalb der Ticketschranken an einem Automaten die Preisdifferenz begleichen.
Tickets im Shinkansen enthalten automatisch eine Sitzplatzreservierung, auf die man achten sollte.

Müll
Ich habe noch nie eine sauberere Metropole gesehen als Tokyo. Niemand käme hier auf die Idee, seinen Müll auf die Straße zu werfen. Gelegentlich sieht man sogar Japaner in feinem Anzug und mit Aktentasche, die hinter Touristen aufräumen und deren Müll aufsammeln und einstecken.
Mülleimer sucht man hier nämlich vergebens.
Wer Müll produziert, der steckt ihn ein und entsorgt ihn zuhause.

Höflichkeit
Ja, Japaner sind höflich. Macht man einen Fehler oder benimmt sich daneben, so weist einen niemand darauf hin. Deshalb ist es notwendig, sein Umfeld aufmerksam zu beobachten und nachzuahmen.
Man sollte jedoch Höflichkeit nicht mit Freundlichkeit verwechseln. Japaner sind auch nur Menschen, und während viele wirklich extrem nett sind, bedeutet das noch nicht, dass man allen blind vertrauen sollte.

Zu Besuch
Ist man bei Japanern zu Besuch, so zieht man die Schuhe aus. Im Eingangsbereich gibt es eine kleine Stufe, die man nur in Socken betreten sollte. In manchen Wohnungen gibt es Pantoffeln, speziell für die Toilette. Man achte darauf, den Rest der Wohnung nach einem Toilettenbesuch nicht in diesen Pantoffeln zu betreten, sondern sie wieder wie vorgefunden abzustellen.

Für Besuch gehört es zum guten Ton, ein kleines Gastgeschenk mitzubringen. Etwas zu Essen, wie Kuchen, Wagashi oder Obst, ist stets eine gute Wahl. Bringt man dem Nachbarn nur die Post, so ist das natürlich nicht notwendig. Wohnt man hingegen eine Zeitlang dort, so darf das Geschenk ruhig etwas teurer sein. Ein guter Wein etwa.

Bleibt man über Nacht, wird einem vermutlich ein heißes Bad eingelassen.
Wichtig: Man wäscht sich zuvor und außerhalb der Badewanne äußerst gründlich mithilfe einer Wasserschüssel und Brause. Das Wasser in der Wanne sollte sauber und warm bleiben, da der Rest der Familie es nacheinander ebenfalls benutzt.

 

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